Neue EU-Leitlinien
Regeln für KI-Modelle
mit systemischem Risiko
Die EU schafft Klarheit: Offizielle Leitlinien, veröffentlicht vom neuen europäischen KI-Büro, sollen Entwicklern helfen, die komplexen Regeln des KI-Gesetzes zu verstehen. Im Fokus stehen besonders leistungsfähige Modelle, für die strenge neue Pflichten gelten.

1. Ein Kompass für Entwickler vom KI-Büro
Die Europäische Union hat unter der Federführung des neu geschaffenen europäischen KI-Büros offizielle Leitlinien für Anbieter von allgemeinen KI-Modellen (GPAI) veröffentlicht. Ziel ist es, Entwicklern von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Einhaltung des weitreichenden KI-Gesetzes zu helfen und insbesondere für Unternehmen, die KI-Modelle mit 'systemischen Risiken' entwickeln, Klarheit zu schaffen. Leitlinien für Anbieter von allgemeinen KI-Modellen
Das KI-Gesetz, das bereits im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist, kategorisiert KI-Systeme in vier Risikostufen: unannehmbares Risiko, hohes Risiko, begrenztes Risiko und minimales Risiko. Als unannehmbar eingestufte KI-Anwendungen, wie etwa Social Scoring oder bestimmte Formen der biometrischen Fernidentifizierung, sind in der EU verboten. Die neuen Leitlinien präzisieren auch die Bedingungen, unter denen Open-Source-Modelle von bestimmten Pflichten befreit sein können, um Innovation und Transparenz zu fördern.
2. Was sind KI-Modelle mit systemischen Risiken?
KI-Modelle mit systemischen Risiken werden als solche definiert, die mit einer Rechenleistung von mehr als 10^25 FLOPs (Floating Point Operations per Second) trainiert wurden. Dazu gehören bekannte Modelle wie GPT-4 von OpenAI, Gemini von Google, die neueren Claude-Modelle von Anthropic und Grok von xAI. Diese Modelle gelten als potenziell weitreichend und mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft.
3. Neue Pflichten und Fristen
Entwickler von KI-Modellen mit systemischen Risiken müssen eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Bei Nichteinhaltung drohen erhebliche Strafen, die von 7,5 Millionen Euro bis zu 35 Millionen Euro oder 1,5 % bis 7 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens reichen.
Kernpflichten im Überblick
- Modellbewertungen zur Identifizierung wahrscheinlicher systemischer Risiken.
- Durchführung von kontradiktorischen Tests zur Risikominimierung.
- Meldung schwerwiegender Vorfälle an das EU-KI-Büro und nationale Behörden.
- Implementierung angemessener Cybersicherheitsmaßnahmen.
Die Fristen sind gestaffelt: Die Regeln für neue KI-Modelle mit systemischen Risiken gelten ab dem 2. August 2025. Ab dem 2. August 2026 können Strafen für die Nichteinhaltung verhängt werden. Anbieter von Modellen, die bereits vor August 2025 auf dem Markt waren, müssen die Vorschriften bis zum 2. August 2027 vollständig einhalten.
4. Geteilte Reaktionen in der Branche
Die Reaktionen auf das KI-Gesetz und die neuen Leitlinien sind gemischt. Kritiker, darunter Meta, befürchten rechtliche Unsicherheiten und eine Behinderung von Innovationen. Führende europäische Unternehmen hatten in der Vergangenheit sogar eine Aussetzung der Regulierung gefordert.
Andererseits gibt es auch Zustimmung. Das KI-Büro fördert den 'General-Purpose AI Code of Practice', einen Verhaltenskodex, der als praktisches Instrument für die freiwillige Einhaltung der Regeln dient. Unternehmen wie Mistral und OpenAI haben ihre Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert. Befürworter des Gesetzes sehen es als wichtigen Schritt, um die Sicherheit und die Rechte der Verbraucher zu schützen und gleichzeitig einen Rahmen für vertrauenswürdige KI-Anwendungen zu schaffen. 'General-Purpose AI Code of Practice'
Unsicherheit durch den AI Act?
Die neuen Regelungen für systemische Modelle zeigen: Die Umsetzung des AI Acts stellt erhebliche Herausforderungen dar. Wir helfen Ihnen, durch den Regulierungsdschungel zu navigieren und Compliance sicherzustellen.
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