'Innovationsbremse' & 'Toxisch'
SAP & Siemens fordern
Kompletten Neustart für KI-Gesetze
Paukenschlag in der europäischen Tech-Szene: SAP- und Siemens-CEOs Christian Klein und Roland Busch fordern eine radikale Reform der EU-KI-Gesetzgebung. Der AI Act sei eine Innovationsbremse und der Data Act 'toxisch'. Europa drohe den Anschluss zu verlieren.

1. Frontalangriff auf Brüssel: 'Können nicht Vollgas geben'
In einem aufsehenerregenden Interview mit der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' forderten SAP-CEO Christian Klein und Siemens-CEO Roland Busch eine grundlegende Überarbeitung der europäischen KI-Gesetzgebung. Aus ihrer Sicht behindern die aktuellen Regeln, insbesondere der AI Act, Innovation und schwächen Europas Position im globalen Wettbewerb.
Siemens-Chef Busch fand deutliche Worte: Der AI Act sei einer der Gründe, 'warum wir hier nicht Vollgas geben können'. Er kritisierte, dass sich die Gesetze teilweise widersprechen und mit bestehenden Regelungen überlappen. Den Data Act, der die Nutzung von Unternehmens- und Verbraucherdaten regelt, nannte er sogar 'toxisch für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle'.
2. Warum eine Verschiebung nicht reicht
Die Forderung der beiden DAX-Konzerne geht weit über den Wunsch nach einer bloßen Verzögerung hinaus, wie ihn mehr als 40 andere europäische Unternehmen kürzlich in einem dringenden Brief an die EU-Kommission formuliert hatten. Roland Busch erklärte, er habe diesen Brief bewusst nicht unterschrieben, 'weil er mir nicht weit genug ging'.
Es gehe nicht darum, das Gesetz für zwei Jahre auszusetzen und dann unverändert umzusetzen. 'In der Zwischenzeit müssen wir das Gesetz substanziell ändern', lautet die klare Forderung des Siemens-Chefs. Ein einfaches Moratorium würde die grundlegenden Probleme der Verordnung nicht lösen.
3. Europas blinder Fleck: Daten statt Rechenzentren
Ein zentraler Kritikpunkt ist Europas strategische Ausrichtung. SAP-Chef Christian Klein warnte eindringlich davor, die US-Strategie massiver Investitionen in Infrastruktur und Rechenzentren blind zu kopieren. 'Bisher ist noch kein KI-Kundenprojekt von uns an fehlender Rechenzentrums-Kapazität gescheitert', betonte Klein.
Der ungehobene Datenschatz
Das wahre Problem: Fehlender Datenzugang
Beide CEOs sind sich einig: Europas wahres Kapital liegt nicht in der Rechenpower, sondern in den Daten. 'Wir sitzen in Europa auf einem Datenschatz, aber wir können ihn noch nicht heben', so Busch. Anstatt Milliarden in Hardware zu stecken, müsse Europa dringend seine restriktiven Datenregeln reformieren, um dieses Potenzial zu erschließen.
Die Forderung ist klar: Bevor in teure Infrastruktur investiert wird, muss ein regulatorischer Rahmen geschaffen werden, der die Nutzung von Daten für die Entwicklung von KI-Modellen erleichtert und fördert. Alles andere, so Busch, sei 'das Pferd von hinten aufgezäumt'.
Unsicherheit durch den AI Act?
Die Kritik von SAP und Siemens zeigt: Die Auslegung und Umsetzung des AI Acts birgt erhebliche Risiken. Wir helfen Ihnen, durch den Regulierungsdschungel zu navigieren und Compliance sicherzustellen.
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