KI-Regulierungsexperte & Gründer der AIAct-Akademie
KI-REGULIERUNG | TRILOG-EINIGUNG
KI-Omnibus:
EU verschiebt AI-Act-Fristen für Hochrisiko-KI
EU-Kommission, Parlament und Ministerrat haben sich in der Nacht zum 7. Mai 2026 auf weitreichende Anpassungen am AI Act geeinigt – den sogenannten „KI-Omnibus“. Die Frist für Hochrisiko-KI-Systeme wird um 16 Monate verschoben, Industriemaschinen werden weitgehend ausgenommen und neue Verbote gegen Nudifier-Apps und Deepfake-Pornografie sollen in Kraft treten. Die vorläufige Einigung muss noch formell von Parlament und Rat angenommen werden.

Das Wichtigste in Kürze
- EU-Trilog-Einigung am 7. Mai 2026: Der „KI-Omnibus“ passt den AI Act an.
- Hochrisiko-KI-Frist verschoben: Von August 2026 auf Dezember 2027.
- Industriemaschinen weitgehend von Hochrisiko-Anforderungen ausgenommen.
- Neue Verbote: Nudifier-Apps und nicht-konsentierte Deepfake-Pornografie ab Dezember 2026.
- Wasserzeichen-Pflicht für KI-generierte Inhalte kommt.
Was hat sich geändert?
Das Omnibus-Legislativ-Paket VII – kurz „KI-Omnibus“ – bringt vier zentrale Änderungen am EU AI Act:
| Änderung | Vorher | Neu |
|---|---|---|
| Hochrisiko-KI-Pflichten | August 2026 | Dezember 2027 |
| Industriemaschinen | Hochrisiko-Regeln galten | Weitgehend ausgenommen |
| Nudifier-Apps / Deepfakes | Nicht explizit geregelt (teils unter Art. 5 erfasst) | Verboten ab Dezember 2026 |
| Wasserzeichen KI-Inhalte | Nicht geregelt | Pflicht ab Dezember 2026 |
Die Fristverschiebung für Hochrisiko-KI betrifft Systeme in biometrischer Überwachung, kritischer Infrastruktur und Strafverfolgung. Unternehmen gewinnen damit 16 Monate zusätzliche Vorbereitungszeit. (Volltext der KI-Verordnung)
Gleichzeitig verschärft die EU andere Bereiche: Nudifier-Apps und nicht-konsentierte Deepfake-Pornografie werden explizit verboten. KI-generierte Inhalte müssen künftig manipulationssicher mit Wasserzeichen gekennzeichnet werden.
Reaktionen der Branche
Die Einigung wird von der Wirtschaft grundsätzlich begrüßt, geht Branchenvertretern aber noch nicht weit genug. Laut Bitkom vermeidet der Kompromiss doppelte Prüf- und Dokumentationsprozesse und ermöglicht es Unternehmen, Ressourcen gezielter in Innovationen zu investieren.
Die Einigung beim KI-Omnibus ist ein gutes Signal für die Entwicklung industrieller KI in Europa.
Dehmel fordert jedoch, den für den Maschinenbereich beschlossenen Ansatz auf weitere hochregulierte Branchen wie Medizinprodukte und Funkanlagen auszuweiten. Auch aus der Industrie kommt Kritik: Zu starre Vorschriften könnten den Wettbewerb mit Anbietern aus den USA und Asien erschweren. (Bitkom-Pressemitteilung)
Was bedeutet das für Unternehmen?
Hochrisiko-KI
Hochrisiko-KI-Anbieter gewinnen 16 Monate mehr Zeit für die Compliance-Vorbereitung. Die neue Frist ist Dezember 2027 statt August 2026.
Maschinenbauer
Maschinenbauer profitieren von der weitgehenden Ausnahme ihrer Produkte aus den Hochrisiko-Anforderungen.
Neue Verbote
Alle KI-Anbieter müssen die neuen Verbote gegen Nudifier-Apps und Deepfake-Pornografie sowie die Wasserzeichen-Pflicht ab Dezember 2026 einplanen.
Generative KI
Für generative KI-Systeme bleiben die Transparenzfristen unklar – die versprochenen Auslegungshilfen stehen noch aus.
Fazit: Mehr Zeit, aber kein Freibrief
Der KI-Omnibus verschafft Unternehmen Luft bei der Hochrisiko-Compliance – aber die gewonnenen 16 Monate sind keine Einladung zum Abwarten. Die Grundpflichten des AI Act bleiben bestehen, die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 gilt bereits seit Februar 2025, und die neuen Verbote gegen Nudifier-Apps und Deepfakes treten schon im Dezember 2026 in Kraft. Unternehmen sollten die gewonnene Zeit nutzen, um systematisch Compliance-Prozesse aufzubauen. Die noch ausstehenden Auslegungshilfen werden zeigen, wie streng die Anforderungen in der Praxis tatsächlich werden.